Unterbringung von Asylsuchenden in Perba

Veröffentlicht am 24.11.2014 in Kommunales

Gemeinsame Pressemitteilung der AG Asylsuchende und den Jusos Meißen über die EinwohnerInnenveranstaltung in Lossen über das geplante Asylsuchendenheim:

Perba ein 180 Seelendorf zwischen Nossen und Lommatzsch. In diesen Ort sollen bereits im nächsten Monat 50 Asylsuchende in 13 Wohnungen eines Gebäudekomplexes untergebracht werden. Das Landratsamt Meissen hatte daraufhin gestern den 20.11. zu einer Bürgerversammlung eingeladen, um mögliche Ängste der Bürger_innen abbauen zu können.

Nach der Begrüßung des Bürgermeisters Uwe Anke übergab er das Wort an den 2. Beigeordneten des Landratsamtes Herrn Ulrich Zimmermann, der für die Unterbringung der Asylsuchenden im Kreis zuständig ist.
Er sprach von einer schwierigen Situation für den Landkreis und dass er die Ängste und Befürchtungen der Bürger_innen nachvollziehen kann. Er sagte auch klar, dass Perba nicht der ideale Standort für eine Unterkunft sei, er aber das Problem hat, dass nur sehr wenige Gemeinden auf die Anfrage des Landratsamtes geantwortet hätten, geeigneten Wohnraum bereitzustellen. Er und der Kreis wollen aber auch nicht, dass es zu „bayrischen Verhältnissen“ kommt, also Menschen in Zelten untergebracht werden müssen.

Bereits ab diesem Zeitpunkt kamen die ersten Zwischenrufe und die Stimmung fing an allmählich in einen aggressiven Ton zu verfallen. Ein Mann sprang auf, rannte zum Mikrofon und brüllte, was es denn solle, dass sie Perba so hintergingen. Er wurde daraufhin von einem anderen Anwesenden hinausbegleitet.
Herr Zimmermann wies anschließend auf die Situation in der Welt hin und führte aus, dass es derzeit mehr als 400 Konflikte weltweit gibt, was allerdings im großen Geschrei der Bürger_innen unterging.

Anschließend kam es zur ersten Wortmeldung bei der ein Anwohner Bedenken äußerte, dass 50 „Asylanten“ zu viel sind, 10 jedoch okay wären, was in heftigen Applaus endete.
Allmählich wurden nun die Zwischenrufe lauter. „Alles Gesocks“ war nun noch einer der harmlosesten Ausrufe.
Frau Franke, die für die soziale Betreuung der Asylsuchenden im Kreis zuständig ist, sprach
als nächstes über ihre Erfahrungen mit Asylsuchenden, welche durchweg positiv waren. Auch diese Argumente halfen nicht, die Bürger_innen zu beruhigen.

Fast alle bekannten Vorurteile wurden an diesem Tag aufgezählt. Man hätte Angst, alleine in den Wald zu gehen, man hätte Angst, die Kinder alleine zum Bus gehen zu lassen: „Wenn meine zwei Kinder dann mit acht schwarzen Kindern am Bus stehen, dann haben die einfach Angst. Und ich muss ja dann auch wieder allein nach Hause im Dunkeln´.“

Ein Zeitungsartikel, der an selben Tag in der sächsischen Zeitung erschien, schürte bei den Bürger_innen noch mehr Ängste. In diesem Artikel wurde berichtet, dass lediglich 50 alleinstehende Männer nach Perba kommen werden, was dazu führte, dass die Dorfgemeinschaft ihre Angst darlegte, Opfer von Vergewaltigung zu werden.
Daraufhin führte Herr Zimmermann aus, wie der Kreis bei der Vergabe von Asylsuchenden an die jeweiligen Standorte vorgeht und wiederlegte dieses Gerücht. Mit diesen Ausführungen konnte er dennoch der Gemeinschaft nicht die vielen Ängste nehmen.
Auch der Erfahrungsbericht des Polizeichefs, Herr Hanjo Protze aus Meißen, konnte die Menschen nicht beruhigen. Er sprach davon, dass die Polizei in das Heim in Radebeul, welches aufgrund der hohen Belegung und der Zustände im und um das Gebäude zu den konfliktreichsten des Landkreises und Landes Sachsen gehört, lediglich 3-4 mal im Jahr ausrücken muss.

Mit dem nächsten Zwischenruf auf seine Ausführungen, kam das nächste Vorurteil zum Vorschein: „Wenn Moslems mit Christen zusammen getan werden, sind die Christen doch nicht mehr sicher, da die Moslems gewaltbereit sind.“

Die Stimmung schien kurz vor der Eskalation zu sein, als Lars Lotter, Vorsitzender der Jusos im Unterbezirk Meißen ans Mikro schritt: „Ich finde es erschreckend, was hier für menschenverachtende Aussagen getätigt werden. Wir müssen auf die Menschen schauen, die zu uns kommen und ihnen eine Willkommenskultur anbieten.“
Daraufhin wurde er von allen Seiten verbal attackiert, ein Mann erhob sich und ging mit auf ihn los und baute sich mit erhobenen Zeigefinger vor ihm auf. Die Situation beruhigte sich wieder etwas, als er sich vom Mikrofon entfernte.
Auch Herr Gansel, Kreisrat für die NPD, war anwesend. Er machte bereits zu Beginn mit einigen Zwischenrufen auf sich aufmerksam: “…wir sollten vorher die Grenzen dicht machen!“ Bei seiner Wortmeldung jedoch haben die meisten Anwesenden ihn lautstark dazu aufgefordert doch „den Mund zu halten“. Dennoch wurde er bei Beginn der Veranstaltung von einigen Bürger_innen freundlich begrüßt.

Die aggressive Stimmung blieb bis zum Ende bestehen. Noch einmal lauter wurde es als Pfarrer Oehler (Pfarrer in Meißen) an das Mikrofon trat. Einer der Anwesenden stand auf und beschimpfte ihn auf das Krasseste und meinte, er solle sich schämen.

Der Bürgermeister Herr Anke dankte in seinem Schlusswort für die guten Beiträge und die angenehme Diskussionen, um mögliche Wählerinnen und Wähler nicht noch mehr zu enttäuschen.

Am Ende des Tages blieb eine wütende Menge, ein verzweifelter Herr Zimmermann und viele offene Fragen. Drohungen mehrerer Männer, die 50 Asylsuchenden im Ort „mit allen Mitteln zu verhindern“, wurden ebenfalls ausgesprochen.

Wir als Jusos Meißen und AG Asylsuchende [GRH] stellen mit Erschrecken fest welche Entwicklung diese Thematik im Kreis und im gesamten Land nimmt.
Wir setzen uns für Asylsuchende ein und machen uns gegen Diskriminierung, menschenverachtende Einstellungen und alle Arten von Rassismus stark.

 
 

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