Rede zum Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2012

Veröffentlicht am 29.01.2012 in Reden

Am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Zunächst der Opfer unter den Juden, aber auch aller anderen. Derer, die keine Wahl hatten, weil sie in Bausch und Bogen zu Opfern gemacht wurden, als Andersglaubende, Anderslebende, Andersliebende, Andersdenkende. Wir gedenken derer, die sich bewusst entschieden haben, gegen das barbarische Regime zu kämpfen und wussten oder ahnten, was ihnen bevorstehen kann. Wir gedenken jener, für die in einem bestimmten Moment das Maß erreicht war oder die Erkenntnis kam, dass es so nicht weitergehen durfte. Und auch derer, die durch bösen Zufall zu Gegnern wurden, weil vielleicht herauskam, dass sie den falschen Radiosender gehört hatten oder halblaut einen Witz gemacht hatten.
Wenn wir an diese Menschen denken, dürfen wir nicht vergessen, dass jeder davon eine eigene Persönlichkeit war, mit seiner Geschichte, seinen Gefühlen, seiner Angst und seiner Hoffnung.

Opfer wurden auch nicht nur die Gemordeten, sondern noch viele Weitere, denen das Naziregime das Leben verpfuscht hat, die eingesperrt wurden, entrechtet, außer Landes getrieben oder aus ihren Lebensplänen gestürzt und für die es später schwer oder unmöglich war, wieder dort anzuknüpfen, wo sie vorher waren.
Wenn wir ihrer gedenken, ist das keine Sache der Vergangenheit, sondern sie geben uns die Verpflichtung mit, uns in unserer Gegenwart für die Werte einzusetzen, für die ihr Opfer steht. Immer wieder müssen wir uns fragen, wo wir eingreifen können und müssen. Wenn Neonazis ungehindert durch Dresden marschieren? Wenn es sächsischen Politikern schwerfällt, die Gedenkstättenpolitik nicht zum parteipolitischen Fingerhakeln werden zu lassen? Wenn auf Schulhöfen der Ruf „du Opfer!“ zum Schimpfwort wird, also vermeintliche Schwäche Anlass zur Abwertung des Anderen? Oder wenn erwachsene, gebildete Menschen es nicht fertigbringen, ihren Gemüsehändlers nicht seiner Herkunft nach als Vietnamesen zu benennen, sondern ein herabsetzendes, falsches Kurzwort sagen?
Und wir müssen uns fragen, wo wir selbst auf Vorurteile hereinfallen, auf Verallgemeinerungen, wo wir „die“ sagen zu ganzen Gruppen von Menschen und Abschätzigkeit mitschwingt, wo wir den Anderen nicht ernst nehmen in seiner Persönlichkeit, wo wir es zu einfach machen und so der Gleichgültigkeit Vorschub leisten oder Schlimmerem.
Das ist es, woran uns das Gedenken am 27. Februar erinnern soll, und das gilt an jedem Tag des Jahres.

Gundula Sell

 
 

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