Lesung und Diskussion im Akti: Großes Interesse an Frank Richters neuem Buch

Veröffentlicht am 28.03.2019 in Allgemein
Frank Richter
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Am 25. März stellte Frank Richter, SPD-Landtagskandidat für den Wahlkreis Meißen 3, den Meißnerinnen und Meißnern sein kürzlich erschienenes Buch vor. Rund 90 Interessierte fanden sich im Akti auf der Elbgasse ein, um mit ihm der zentralen Frage des Werks nachzugehen: „Gehört Sachsen noch zu Deutschland?“

Nur wer hinter diesem Titel eine Abrechnung mit den Sächsinnen und Sachsen erwartet hat, ist an diesem Abend wohl enttäuscht nach Hause gegangen. Vielmehr geht der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und langjährige Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in seiner jüngsten Schrift der Frage nach, warum viele Menschen in den neuen Bundesländern - insbesondere im Freistaat Sachsen – auch 30 Jahre nach dem Mauerfall von einer anderen politischen Kultur geprägt sind als ihre Mitbürger in den alten Ländern. Mit unüberhörbarer Sympathie für die Betroffenen skizziert Frank Richter die wiederholten gesellschaftlichen Brüche, mit denen sich die Menschen im Osten konfrontiert sahen. Der Zusammenbruch eines Wertesystems, aber auch der ökonomischen Ordnung, stürzte viele Ostdeutsche in Verunsicherung und Orientierungslosigkeit, die bis heute nachwirken. Mit Nachdruck verweist er auf die notwendige Wertschätzung, die vielen ostdeutschen Lebensläufen trotz herausragender Leistungen verwehrt blieb. Das ist jedoch nicht nur ein ideelles Problem im Blick auf die Vergangenheit. Vielmehr offenbart es sich noch heute – ob in der Rentenfrage oder im Mangel ostdeutscher Führungspersönlichkeiten in Wirtschaft und Verwaltung. Doppelt getroffen sind die Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum, dessen Zukunft nicht nur durch den demografischen Wandel und die Entindustrialisierung, sondern ebenso durch eine jahrzehntelange Rückzugspolitik des Staats, gefährdet ist. Frustration und die Suche nach Halt erscheinen als logische Konsequenz, wenn die jüngere Vergangenheit nichts mehr wert und die Zukunft ungewiss erscheint.

Frank Richter warnt vor jenen Kräften, die diese gesellschaftliche Spannung für ihre politischen Zwecke missbrauchen wollen. Die Neue Rechte setzt der Orientierungslosigkeit das Modell einer geschlossenen Gesellschaft entgegen, die ihre Mitglieder nach völkischen Gesichtspunkten definiert und selektiert. Die demokratische Ordnung soll einer autoritären Herrschaft weichen. Die Zugehörigkeit zu dieser Volksgemeinschaft wird mit der Preisgabe der individuellen Bürgerrechte erkauft. Damit wird den Bürgerinnen und Bürgern des „Ostens“ die zentrale Errungenschaft ihrer Friedlichen Revolution aus den Händen geschlagen. Zu Recht verweist Frank Richter darauf, dass die Neue Rechte sich lieber darüber ausschweigt, wie eine ethnisch homogene Gesellschaft hergestellt werden soll. Die Geschichte lehrt, dass die Verwirklichung derartiger Phantasien stets gewaltsam erfolgt.

Eindringlich warnt Frank Richter davor, dass Denkbilder der Neuen Rechten mittlerweile von einem erschreckend großen Teil der Menschen in Sachsen geteilt werden. Mit besonderer Sorge erfüllen ihn hierbei die Ergebnisse des Sachsen-Monitors, die gerade bei der jüngeren Generation Tendenzen zur Relativierung des Nationalsozialismus und Zustimmung zu völkisch-nationalistischen Positionen offenbaren.

Für gute Stimmung sorgten Beate Voigt und Götz Bergmann, die für die musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgten. Mit internationalen Stücken auf Geige und Gitarre begeisterten sie das Publikum. Im Anschluss an die Lesung debattierte Frank Richter mit den Meißnerinnen und Meißnern die Thesen seines Buches. Die Diskussion wurde auch dadurch spannend, dass sich Menschen mit sehr verschiedenen politischen Ansichten und Lebensläufen zu Wort meldeten. Es gab viel zu besprechen und auch zu streiten, wie es sich für eine funktionierende Demokratie gehört. Kein Wunder, dass die Zeit dabei verflog und sich die Runde erst deutlich später auflöste, als ursprünglich geplant. Es hat sich gelohnt.

 
 

Frank Richter

Martin Dulig

Susann Rüthrich

Susann Rüthrich

 

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