Geflüchteten eine Perspektive geben

Veröffentlicht am 15.03.2022 in Allgemein

Am 09.03.2022 lud das Bunte Meißen – Bündnis Zivilcourage ein zur Kundgebung „Geflüchteten eine Perspektive geben – Vorgriffsregelung auch in Sachsen einführen“.

Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung verspricht neue Bleiberechtsperspektiven für Menschen, die aktuell mit einer Duldung leben. Da dieses Gesetz aber erst noch verabschiedet werden muss, fordern wir die sächsische Staatsregierung auf, bereits jetzt zu handeln. Bundesländer können bereits jetzt entsprechende Vorgriffsregelungen erlassen und damit den Geflüchteten mit einer Duldung eine bessere Bleibeperspektive geben. Das CDU-geführte Schleswig-Holstein und das SPD-geführte Rheinland-Pfalz setzen diese Regelungen bereits jetzt um und gehen damit voran, wenn es um die Bleibeperspektiven für geduldete Geflüchtete geht.

Wir wünschen uns mit dem Blick auf die von uns begleiteten Migrant:innen und Geflüchteten auch für Sachsen eine entsprechende Regelung. Wir alle brauchen dringend mehr Menschlichkeit und Vernunft im Umgang mit Menschen, die zu uns geflohen sind. Wir fordern die Verantwortlichen im Freistaat Sachsen, in den Landratsämtern und Ausländerbehörden dazu auf, den zu uns geflohenen und seit langer Zeit unter uns lebenden Mitmenschen eine Perspektive zu geben, die sie von der Angst vor Abschiebung befreit und den Weg zur nachhaltigen Integration ebnet.

 

Fairer Umgang für Flüchtlinge

 

Wir folgten gern der Einladung, genauso wie weitere Interessierte. Rasch bildete sich eine kleine Gruppe auf dem Heinrichsplatz in Meißen, die hoffnungsvoll und gespannt auf das noch leere Podium schaute. Es dauerte nicht lange, bis uns Bernd Oehler (Vorsitzender der Initiative Buntes Meißen) herzlich willkommen hieß. Bald darauf ertönten die vertrauten Klänge seiner Gitarre. Er sang für den Frieden und gedachte gemeinsam mit Sören Skalicks (Mitglied Kreistag Meißen und OV Linke Meißen) an die Opfer jedes Krieges. Applaus ertönte und die ersten Redner:innen traten nach vorn.

 

Frank Richter (Landtagsabgeordneter) war einer von ihnen. Er sprach sich für einen fairen Umgang für Geflüchtete aus. Dabei erinnerte er an die schockierende Abschiebepraxis gegen die Meißener Familie Gaurgashvili / Pareulidze. Sie war gut integriert, aber wurde urplötzlich über Nacht aus ihrem sozialen Umfeld gerissen und nach Georgien abgeschoben. Seitdem versucht Frank Richter die genauen Hintergründe bei der Ausländerbehörde zu erfahren. Eine bittere Erfahrung, die bei ihm tiefe Spuren hinterlassen hat.

 

 

Ebenfalls für die SPD und Vorstandsmitglied von Buntes Meißen e.V. sprach Abdullah Salloum. Der zweiunddreißig Jährige lebt seit mittlerweile sechs Jahren mit seiner Familie in Deutschland. Hier hat er eine Ausbildung als Fachinformatiker abgeschlossen und arbeitet derzeit in Glaubitz.

„Die meisten von uns leben seit vielen Jahren in Deutschland. Unsere Kinder besuchen täglich die Schule und haben Freunde hier. Wir als Eltern gehen jeden Tag zur Arbeit. Engagieren uns ehrenamtlich und bemühen uns ein Teil der Gemeinschaft in Meißen zu sein und doch erhalten wir bloß die Duldung. Was wir fordern ist nicht unmöglich, was wir fordern ist nicht unvernünftig, was wir fordern ist die Chance mit einem normalen Status zu leben und eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. 

Integration ist keine Einbahnstraße. Integration funktioniert am besten, wenn man auch eine Perspektive hat, wenn man weiß, dass all seine Bemühungen belohnt werden. Wenn man nicht die ganze Zeit Angst hat, dass man, egal was man tut, egal wie man es versucht, abgeschoben wird und sein Leben hier zerstört wird.  Integration bedeutet in der Gesellschaft zu leben, die Sprache zu sprechen, die Kultur zu respektieren und seinen Teil dazu beizutragen, dass die Gesellschaft weiterhin ein gutes und glückliches Leben für den Einzelnen ermöglicht. 

Meine geduldeten Mitflüchtlinge, das ist unser Ziel, eine positive Bereicherung für die Gesellschaft zu sein. Bitte kämpft weiter euren täglichen Kampf, verbessert eure Sprachkenntnisse, findet Arbeit, teilt eure Kultur und eure Erfahrungen und seid beharrlich. Danke.“

 

Wir danken dir auch, Abdullah. Für deinen Mut und deine bewegenden Worte. Es fehlt uns jegliches Verständnis dafür, dass Menschen in unserem Land abgeschoben werden oder bloß eine Duldung erhalten, die sich integrieren und mittlerweile ein Teil unserer Gemeinschaft geworden sind!

Daher ist sehr ermutigend, wie groß die Hilfsbereitschaft und Anteilnahme für die Flüchtlinge aus der Ukraine ist. Insbesondere der raschen Einigung aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die ja eigentlich seit Jahren beim Thema Flüchtlinge im Streit liegen. Wir hoffen sehr, dass diese unglaubliche Solidarität anhält und weiterhin alle an einem Strang ziehen.

 

(Quellenangabe Bild und Text: Jenny Garbe)

 
 

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