Gedanken der Fraktion Freie Bürger/SPD/Grüne zur Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen GmbH

Veröffentlicht am 18.12.2014 in Fraktion

Vor nicht ganz einer Woche, am 11. Dezember, gab Prof. Biedenkopf auf der SZ-Wirtschaftseite ein Interview mit Positionen die durchaus jener absolutistischen Zeit entspringen könnten, in der das Meißner Porzellan entstanden ist. Dabei  fiel auf, dass der frühere Ministerpräsident Meißen als Stadt nicht zu kennen scheint. Stattdessen verwendet

er diesen Ortsnamen immer nur im Sinne einer Marke. Herr Biedenkopf lässt deutlich aus dem Sack, was derzeitige Mitglieder der Staatsregierung nur hinter vorgehaltener Hand zum Ausdruck bringen. Die Stadt an der Elbe, mit ihrer über Tausendjährigen Geschichte, ist dem Freistaat uninteressant, wenn es um Wirtschaftsinteressen, mehr aber noch um persönliche Eitelkeiten geht. Vergesslich, wie Ihn das Alter gemacht hat, erinnert sich Kurt Biedenkopf auch nicht mehr daran, dass hier auf der Albrechtsburg vor 25 Jahren der Freistaat Sachsen wiedererweckt wurde.

Geradezu herausfordernd zeigt eine Kaffeetasse in der Hand des Aufsichtratschefs  die gekreuzten Schwerter mit dem Pfeifferpunkt und erinnert daran, was jener Max Adolf Pfeiffer (1875 – 1957), der in den 20er und frühen 30er Jahren Generaldirektor der Staatlichen Por-zellanmanufaktur Meißen war, ganz im Gegensatz zu der heutigen Geschäftsführung unter Dr. Christian Kurtzke, unter ganz schwierigen Bedingungen infolge des I. Weltkrieges fertig gebracht hat. Er verstand es als Porzellanfachmann die Manufaktur mit eigenen und neuen Künstlern gleichzeitig gut auf den Außenmärkten zu etablieren und andererseits für die Stadt des „Weißen Goldes“ ein verlässlicher und ehrenhafter Partner zu sein. Er beteiligte sich am Bau der Stadtbibliothek, sorgte für die Ausgestaltung der Sterbehalle des Krematoriums, schuf ein seinerseits einmaliges sakrales Gedächtnis für die Gefallenen des unseligen letzten Krieges in der Nikolaikapelle und vieles, vieles andere mehr. Eine neue, große Schauhalle und das wohl geordnete Formenarchiv sind ebenso Teil seines umfangreichen Nachlasses.

Es stellt sich die Frage, wohin geht die Reise der Ratlosigkeit in der Manufaktur, die seit Jahren Millionen verschlingt und von Prof. Biedenkopf mit der lapidaren Meldung: „Das Wachstumskonzept war nicht durchfinanziert.“ kommentiert wird. Die Bewohner der Stadt Meißen geht dies natürlich nichts an – die gibt es im Weltbild des großen Vordenkers gar nicht mehr. Auch der Landtag hat natürlich nichts zu sagen, denn es ist ja ausgemacht, dass der Freistaat zwar Eigentümer ist, aber Gewinn oder Verlust ganz eine Sache des Unter-nehmens sind; also auch die Betriebsstrategie, wird man ableiten müssen. Warum aber soll der Steuerzahler dann ständig die Zeche bezahlen für etwas, was ihm nur noch de facto gehört, was sich legitimen Kontrollmechanismen mit Transparenz und dem demokratischen Einfluss gewählter Parlamentarier gänzlich entzogen hat? Natürlich geht es dieselben etwas an, wenn hier plötzlich und durch bedeutende Subventionen außerhalb des legitimen Wettbewerbs ein spartenübergreifender Luxuskonzern entsteht, der keinen Vergleich mit den frühen Porzellanherstellern kennt, welche noch ein Staatsgeheimnis zu hüten hatten. Und natürlich dürfen die Vertreter des Wahlvolkes fragen, ob es rechtens ist, wenn der selbständige Unternehmer in Meißen durch Prozesse kaputt gemacht wird, weil er die hohen Kosten nicht mehr zu bezahlen vermag, während die Manu für Geld, welches sie vom Staat erhält, teuere Anwälte in München, Frankfurt am Main, Köln oder Hamburg unterhält.

Hat nun außerdem eine Stadt das nach § 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches eindeutig zustehende Recht abzutreten, ihren Namen frei für alle hier tätigen Firmen und Institutionen zu halten, wenn sich selbst zelebrierende Könige ausdenken, diesen Namen für alle nur denkbaren Warengruppen in allen nur auszudenkenden Schreibweisen zu annektieren?      Darf man dazu die Geschichte auf den Kopf stellen und behaupten, diese Form der Anmaßung hätte es schon seit dem frühen 18. Jahrhundert gegeben? Nein, die Marke Meißen gibt es angemeldet durch die Manufaktur  erst seit 1972 in Form einer so genannten Wort-Bildmarke. Damals mit eleganter und durchaus individueller Zierschrift. Über zwei Jahrzehnte später folgte unter Dr. Walter die Anmeldung der reinen Typenschriftmarke MEISSEN. Zu dieser Zeit stand die Anmeldung aber nicht im Zusammenhang mit der inflationären Erweiterung von Warengruppen, für die der Staatskonzern nach einer Idee ihres rhetorisch kreativen Chefs und ohne örtlich verfügbares Fachpersonal, Trendsetter auf dem Luxusmarkt zu werden vermeinte.

Aha, Herrn Dr. Tillmann Blaschke ist als neuem, kaufmännischem Geschäftsführer sein Gesellenstück gelungen. Schön, dass wir das als handelnde Fraktionsvorsitzende mal aus berufenen, 84jährigem Munde erfahren. Wir müssen es geahnt haben. Wir hätten uns sonst kaum einmütig dazu hergegeben, eine Erklärung zu unterschreiben, die abgesehen von ein paar kleinen Näschereien für ein gemeinsames Marketing quasi das Gegenteil von dem behauptet, was unsere eigene Forderung  vom Spätsommer des Jahres in aller Munde brachte.

Ja, wir brauchen die Alternative an der Spitze der Porzellanmanufaktur, um in essenziellen Fragen des Bestehens und Weiterentwickelns der Manufaktur und der davon mehr denn je abhängigen Firmen in und um Meißen nicht aufzusitzen. Und, wir waren uns einig, Tillman Blaschke Vertrauensvorschuss zu geben, bis zu jenem Moment, an dem er sich seinen großen Zensoren gegenüber etwas freigeschwommen hat. Leider gab es aber wohl interne Ab-sprachen mit Teilnehmern der städtischen Vertretung, die diesem berechtigten und menschlichen Anliegen eine bittere Ohrfeige verpasst haben. Es bleibt das Geheimnis der Antrag-steller, warum sie einer Erklärung, die als nicht rechtsverbindliches Papier von vier Fraktionsvorsitzenden,  im Personalkarussell der Manufaktur hätte weiterhelfen aber keinen großen Schaden anrichten können, durch einen Stadtratsbeschluss adeln mussten.

Allein, den Zug der Veränderung hält der Beschluss nicht auf und es ist wohl nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen, bis sich in einem sehr ängstlich agierenden Freistaat die Kräfte durchsetzen, die einer Stadt und einer über dreihundertjährigen Porzellanmanufaktur unter anderen Vorzeichen wieder eine Chance geben.

Wer eine Figur mit dem ursprünglichen Titel „Das Model“ im 25. Jahr der friedlichen Revolution zur Saxonia kürt, hat bei allem Respekt vor der handwerklichen Leistung noch tätiger Porzelliner jeden Geschmack und jede Achtung vor der Geschichte dieses traditionsreichen Unternehmens trotz aller andersartiger Beteuerung aufgegeben.

 

Dr. Helge Landmann
Fraktionsvorsitzender

 
 

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